Geschichten aus Edinburgh 3

Veröffentlicht auf 10. Juni 2016

Dinge, die ich vermissen werde

- Den Campus: Bei Sonnenschein (nun, das Wetter gehört nicht zu den Dingen, die ich vermissen werde) ist das Uni-Gelände einfach unglaublich schön. Überall blühen Rhododendron-Büsche, es gibt jede Menge Wiese und kleine Wäldchen, die fast schon an Dschungel erinnern. Wenn man in der Mensa sitzt und aus dem Fenster schaut, könnte man meinen, man würde mitten im Wald sitzen. Und es gibt kleine Wege am Teich entlang, in dem gerade eine Schwanen-Familie ihre Runden zieht (mit süßen kleinen flauschigen Baby-Schwänen!), durch den Wald und überall hoppeln die Kaninchen durch die Gegend. Ich bin sicher, dass ich noch nicht alles erkundet habe (und wohl auch nicht mehr werde...). Ich habe wirklich lange gebraucht, bis ich nicht vollkommen orientierungslos über den Campus wandere und teilweise dadurch meine Mittagspause deutlich verlängert habe, weil ich nicht wusste, wie ich wieder zurück komme. Ja, gut...das ist bei mir jetzt auch nicht sooo verwunderlich, aber es ist wirklich nicht SO einfach, sich hier zurechtzufinden. Jedenfalls wird mir der Campus hier definitiv fehlen.

- Busfahren: Auch wenn ich mich letztens erst ziemlich über die Busse hier ausgelassen habe, eines muss man ihnen lassen: Die meisten sind Doppeldecker-Busse! Und der beste Platz ist natürlich oben ganz vorne mit freier Sicht auf die Straße. Das ist erstens gut, wenn einem wie mir super schnell schlecht wird beim Busfahren, und zweitens kann man da nun wirklich gut verstehen, wie die Autorin von Harry Potter auf die Idee mit dem Knight Bus gekommen ist! (Für alle nicht Harry Potter Fans: Der Knight Bus ist ein Trippel-Deckerbus, der Zauberer aufsammelt. Er ist für Muggle unsichtbar und kann sich beispielsweise schmal machen, um zwischen Hindernissen hindurchzupassen.) Jedenfalls hat man manchmal tatsächlich das Gefühl von dort oben, dass der Bus nun unmöglich irgendwo durchfahren kann und dass es nicht mit rechten Dingen zugeht, wenn er sich durch den Verkehr schlängelt. Klar, meistens gibt es eine eigene Busspur - fühlt sich trotzdem oftmals viel zu eng an!

- Irish Pub und Cider: Nachdem das Leben hier natürlich nicht nur aus Arbeit und Uni bestand, muss ich sagen, dass ich es vermissen werde, dass man in jedem Pub Cider bestellen kann. Es ist einfach so praktisch, wenn alle anderen ein Bier bestellen (und man selber Bier einfach nicht ausstehen kann). Cider bekommt man in der gleichen Größenordnung wie Bier, es hat ungefähr den gleichen Alkoholgehalt, ist auch preislich ungefähr gleich - und schmeckt einfach vieeeeeel besser! Und wo ist es besser, ein Cider/Bier mit seinen Freunden zu trinken, als im Irish Pub Finnegan's Wake? Da gibt es nicht nur günstige Studentenpreise sondern auch jeden Abend Live-Musik. Und wenn der Pub dann um 1 schließt, kann man sich entweder ganz einfach auf den Heimweg machen oder, für all diejenigen, die noch etwas mehr das Tanzbein schwingen wollen, gibt es direkt links und rechts davon Clubs, die noch etwas länger offen haben.

- Öffnungszeiten der Geschäfte: Während Bars und Clubs eher früher schließen als in Deutschland (um 3 Uhr früh ist da Schicht), haben die Geschäfte hier meistens wesentlich länger auf als bei uns (zumindest in Bayern), oftmals auch Sonntags. Manche Supermärkte sind sogar 24/7 geöffnet. Ich kann gut verstehen, warum man das bei uns nicht macht. Wer will schon sonntags arbeiten? Und so dringend ist es auch nicht nötig. Aber das ein oder andere Mal ist es doch schon vorgekommen, dass mir sonntags einfiel, dass ich nichts fürs Abendessen eingekauft hatte. Oder dass ich um neun Uhr abends furchtbar Lust auf Eis bekommen habe. Gut, dass der nächste Supermarkt nur zwei Minuten zu Fuß entfernt war - und bis um 22 Uhr geöffnet hat.

- Freunde: Natürlich werde ich aber auch einige der Leute vermissen, die ich hier kennen gelernt habe und mit denen ich einige Ausflüge unternommen, gemeinsam gekocht und abends Edinburgh unsicher gemacht habe oder einfach nur im Kino war. Ich beurteile einen Ort immer danach, mit wem ich dort war, und die Freunde, die ich hier gefunden habe, haben auf jeden Fall dafür gesorgt, dass ich Edinburgh in guter Erinnerung behalten werde (trotz des Wetters...)

Geschrieben von Mira

Veröffentlicht in #Edinburgh

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