Geschichten aus Edinburgh 2

Veröffentlicht auf 10. Juni 2016

Laborarbeit

Vorweg für all diejenigen, die eher selten in einem Chemielabor stehen: Eigentlich sollte dort Laborkittel und noch viel wichtiger Schutzbrille zur Standardausrüstung gehören. Das wird nicht immer überall so ernst genommen, vor allem in den Laboren der Arbeitskreise an der Uni. Allerdings habe ich dort noch nicht viel gearbeitet und bei meinem letzten Praktikum in Canada musste ich nicht nur unbedingt immer Kittel und Brille tragen, obwohl dort nicht so viel mit Chemikalien gemacht wurde, sondern zusätzlich auch noch Stahlkappen-Schuhe (deren Sinn hat sich mir bis zum Ende nicht ganz erschlossen, aber Vorschrift ist Vorschrift).

An meinem ersten Tag hier in Edinburgh habe ich gleich feststellen können, dass hier der Hase etwas anders läuft. Nämlich gerne auch mal barfuß. Klar, es ist ein Laser-Labor. Zu den Chemikalien hier komme ich später noch, aber meistens hat man mit denen wenig zu tun. Wofür also Kittel und Schutzbrille (oh, vielleicht eine für die ganzen Laser, damit man nicht ausversehen reinguckt? Falsch gedacht...). Nachdem es an meinem ersten Praktikumstag ziemlich geregnet hatte (wie an sehr vielen anderen dann auch), hatte einer der Postdocs nasse Schuhe. Und wo wäre ein besserer Ort, um die zu trocknen, als sie an eine der Pumpen zu lehnen? Die sondern ja viel Wärme ab. Dann ist er halt den gesamten Vormittag ohne Schuhe rumgelaufen. Hat auch keinen gestört.

Nun zu den Chemikalien. Aceton. Für alle nicht Chemiker: Laut Gefahrstoffdatenbank ist dies ein reizender und leicht entzündlicher Stoff, der die Atemwege reizt und die Haut entfettet. Sonst allerdings nicht so tragisch. Auch in diversen Nagellackentfernern zu finden. Wenn ich damit arbeite: Zieh bloß Handschuhe an (die überhaupt nichts gegen Aceton ausrichten können) und wenn du es umfüllst, dann musst du (in dem Labor, in dem normalerweise niemand Kittel oder Brille anzieht) Schutzausrüstung tragen.

Methanol. Lauf Gefahrstoffdatenbank leicht entzündlich, schädigt die Organe, ist giftig bei Verschlucken, Hautkontakt und Einatmen! Ach, damit können wir schon ein bisschen rumspritzen, macht doch nix. Das Zeug schütten wir auch litterweise von einer Flasche in die andere und zwar nicht unter dem Abzug. Warum das Zeug verwendet wird? Nun, weil es ohne weiteres rückstandslos verdampft (sehr gut, wenn Einatmen giftig ist...). Warum sie nicht Ethanol verwenden, das auch gut verdampft, aber nicht giftig ist? Zu hohe Steuern. Tja, da fühlt man sich doch gleich viel besser.

Nun ja, ich habe es überlebt. Und viel mehr in den Wahnsinn getrieben haben mich auch eher gewissen Leute im Labor, aber darüber möchte ich mich jetzt nicht hier auslassen. Inzwischen ist die Laborarbeit abgeschlossen und ich schreibe nur noch meinen Praktikumsbericht. Mein Betreuer ist da wirklich sehr hilfreich und ich glaube, ich habe noch nie so viel Übungsmöglichkeit, Rat und konstruktive Kritik bei (und vor allem vor) einem Vortrag bekommen wie bei dem Vortrag, den ich letzte Woche gehalten habe.

Tja, wenn man mich einmal losschreiben lässt. Ihr könnt euch nun vielleicht vorstellen, warum mein Tagebuch von meiner Zeit hier knapp 50 Seiten umfasst...wer das mal lesen soll? Keine Ahnung, niemand? Wäre vielleicht besser so ;)

Geschrieben von Mira

Veröffentlicht in #Edinburgh

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